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Magnolien vermehren Ableger Veredeln Chip Budding + Abmoosen

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Kommentar zu Veredelung (Pflanzen veredeln)

hallo,
wollte mich erkundigen ob schon jemand erfahrung mit der veredelung von magnolien gemacht hat.
hintergrund: möchte gerne in meinem garten einen "stetling/ableger" des magnolien baumes meiner oma haben und weiß nicht wie ich das anstellen soll.

Hoffe auf hilfreiche Antworten
beste Grüße
die Enkelin

02.04.2008 21:09 | geändert: 02.04.2008 21:09


Magnolien veredeln hört sich geheimnisvoll an, ist aber in Wirklichkeit eigentlich ebenso wie Rosenschnitt oder Obstbaumschnitt weitaus weniger kompliziert, als man vermuten könnte, und die beste Methode für Ableger, wenn man so schnell wie möglich eine große Magnolie mit Blüten haben möchte. Zum wurzelechten Vermehren z.B. durch Luft-Ableger ("Abmoosen") siehe unten.

Ableger von einer Magnolie erhält man wie bei Rosen am besten durch Entnahme einer Knospe (="Auge"), die man in eine Unterlage (Mutterpflanze) einsetzt (Okulation), und zwar durch einfaches Augenanplatten (Spanokulation), neudeutsch Chip Budding.

Hierbei sind folgende Regeln zu beachten:

1. Pingelig auf Sauberkeit achten: Sehr scharfes Messer verwenden und die Schnittstellen nicht berühren, um sie nicht mit Krankheitserregern zu kontaminieren. Zum Anfassen der herausgeschnittenen Knospe[1] aus der Magnolie, die man vermehren möchte, lässt man sich daher als Griff einen 1-2cm langen Blattstiel stehen. Neue Latexhandschuhe anziehen.

[1] Ausgeschnittene Knospe = "Edelauge" = (Holz-)"Span", da man sehr flach schneidet (nur 1/4-1/2cm tief), und der Trieb schon leicht verholzt (=ausgereift, bräunlich) sein muss. Eine Knospe befindet sich immer direkt über einem Blatt, in der Blattachsel. Oft ist es unsichtbar im Spross versteckt ("Schlafendes Auge").

2. Der gegengleiche Ausschnitt in der Unterlage muss möglichst genau passen: Die jeweiligen Gewebe aus teilungsfähigen Zellen (Kambium) direkt unter der Rinde müssen in direkten Kontakt gebracht werden, damit sie zwischen den Pflanzenteilen erfolgreich eine Brücke zur Verbindung herstellen, über die dann das Wasser und die Nährstoffe in den Ableger geleitet werden können. Dies erfordert etwas Geschick, am besten vorher an irgendwelchen Sträuchern üben.

3. Die Schnittstellen dürfen nicht austrocken: So schnell wie möglich zusammenfügen.

Zeitpunkt:

Am sichersten funktioniert die Vereinigung bei jungen Trieben, die aber schon ausgereift (bräunlich, leicht verholzt) sind (Ideal: Edelauge einjährig, diesjährig, Unterlage zweijähriger, vorjähriger, letztjähriger Trieb, um schneller eine große Pflanze zu erhalten).
Ideale, beste Zeit ist daher der Spätsommer (August), wenn die neuen Triebe gerade frisch verholzt (bräunlich) sind, die große Hitze vorbei ist, aber die Pflanzen sich noch in der Wachstumsphase befinden.
Meist funktioniert es aber auch zu anderen Zeiten. Siehe auch Beste Pflanzzeit.

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Anleitung mit Details zum Span, Edelauge Schneiden:

Für das Edelauge zuerst ca. 2cm *unter* dem Blattstiel schräg (~30 Grad) etwa 1/4-1/2cm tief einschneiden (= Verzahnung Auge + Unterlage => bessere Befestigung).

Anschließend ca. 3cm *über* Blattstiel den zweiten Schnitt ansetzen, diesen 1/4-1/2cm tief hinter dem Auge bis zur unteren Schnittstelle führen.

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Unterlage:

Als Unterlage verwendet man am besten einen 2 jährigen Sämling von Magnolia kobus (Kobushi-Magnolie) im Topf.
Grund: Magnolia kobus ist besonders robust und anspruchsloser an den Boden als andere Magnolien. Insbesondere gedeiht sie auch gut, wenn er kalkhaltig (alkalisch) ist.

Es funktioniert meistens aber auch mit anderen Magnolien wie der Tulpenmagnolie (Magnolia x soulangeana, syn. Magnolia soulangiana).

1. Alle unteren Blätter bis ca. 25cm Höhe über dem Boden am Ansatz abschneiden, keinen Stiel stehen lassen.

2. Schnitt genau wie oben an Stelle ca. 5cm über dem Boden bzw. Substrat im Topf. An der Stelle braucht sich kein Auge zu befinden.

3. Edelauge von oben nach unten so einsetzen, dass beide Kambiumschichten direkten Kontakt haben und mit Bast oder Veredelungsband (Okulationsverband) befestigen. Dabei Blattstiel und Auge freilassen.

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Pflege und Pflanzung:

Die veredelte Pflanze im kühlen Zimmer oder Gewächshaus weiterkultivieren.

Spätestens nach etwa 14 Tagen bis 3 Wochen sind Edelauge und Unterlage verwachsen, erkennbar an der Bildung einer Verdickung der Schnittränder (Kallus = Wundgewebe, das sich über Wunden schiebt und sie überwallt, verschließt).

Sobald das Auge austreibt, das Veredelungsband entfernen und die Unterlage ca. 1/2cm leicht schräg über dem Auge zurückschneiden, um alle Kraft (Nährstoffe und Wasser) in den Edeltrieb zu umzuleiten.

Mindestens im ersten Winter frostfrei aber möglichst kalt (ca. 5 Grad C) überwintern, im Winter nicht düngen und immer erst (mäßig) gießen, wenn die oberste Erdschicht wieder trocken ist. Im Frühling kurz vor Austriebsbeginn im April zurückschneiden, damit sich der Ableger besser verzweigt und frühestens im nächsten Herbst (Anfang September) ins Freie pflanzen, besser erst im folgenden April.

Die Veredelungsstelle kommt wie bei fast allen Ziergehölzen und Obstgehölzen über die Erde.
Wahrscheinlich schadet es aber auch nicht, sie unter die Erde zu pflanzen (haben wir allerdings noch nicht ausprobiert).
Normalerweise wird die Veredelungsstelle jedoch nur unter die Erde gepflanzt, wenn ein Austrieb des Edelreises aus den schlafenden Augen unter der Erde erforderlich ist (bei Rosen oder Clematis nach Zurückfrieren in extrem harten Wintern bzw. Clematiswelke, bei Strauchpäonien für einen dichtbuschigen Wuchs.

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Magnolien abmoosen

Gelegentlich liest man eine Empfehlung für die Methode durch Luft-Ableger ("Abmoosen"), wie man sie vor allem von manchen Zimmerpflanzen her kennt, wo sie recht einfach funktioniert.

Sie ist jedoch bei Freilandpflanzen und insbesondere bei Magnolien heikler und aufwändiger, denn normalerweise hat man kaum Zeit, vom Frühling (April) durch die ganze Hitze im Sommer bis weit in den Herbst darauf zu achten, dass die Bewurzelungsstelle kein einziges Mal(!) austrocknet und eine Temperatur von 20-25 Grad C nicht überschritten und möglichst auch nicht unterschritten wird, um dann - vielleicht - ein kleines Pflänzchen zu ernten.

Wir haben das daher noch nicht ausprobiert und wissen nicht, ob es bei der Magnolie in dieser Zeit überhaupt klappt. Unterirdische Ableger ("Absenker"), die durch Mulchen sogar einfacher feucht und in der idealen Temperatur gehalten werden können, bewurzeln jedenfalls bei Magnolien im Gegensatz zum Flieder eher selten bis zum Herbst, sondern brauchen meistens länger (2-3 Jahre).

Für diese meist langwierigere wurzelechte Vermehrung von Magnolien sollte man die Bewurzelungsstelle verletzen, z.B. durch einen 1/2cm tiefen Einschnitt (längs = Zunge. Mit Steinchen, Streichholz o.ä. offenhalten) und / oder durch einen Draht etwas einschnüren.

Dadurch wandeln sich einerseits die Zellen im Kambium in Wurzelzellen um, und außerdem stauen sich an dieser Stelle die energiehaltigen Nährstoffe (Assimilate), die durch die Photosynthese weiter oben in den Blättern gebildet wurden und eigentlich zum Speichern in die Wurzeln transportiert werden sollen, und werden stattdessen an der Verletzung zum Bewurzeln verwendet.

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Sonstige Hinweise:

Beim Vermehren von manchen Gartenpflanzen kann man sich ebenso schnell nicht nur schadenersatzpflichtig sondern auch strafbar machen wie beim unerlaubten Verwenden von Fotos auf Internetseiten oder Musik.
Das Züchten besonders gelungener Pflanzensorten ist äußerst zeitaufwändig und teuer, sodass sie oft warenrechtlich geschützt sind. Dies ist insbesondere häufig bei Rosen der Fall.

Mit freundlichen Grüßen
Mario Eichstädt, GartenDatenbank.de Team

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Verwandte Seiten:

Geranien vermehren: Stecklinge in Erde
Fuchsien vermehren: Stecklinge in Wasser
Buchs vermehren: Stecklinge in Erde
Hortensien vermehren: Stecklinge in Wasser

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Nützliche Links:

Chip Budding Anleitung mit Zeichnung zum Schnitt @ dlr.rlp.de
Chip Budding Anleitung mit Zeichnung zum Schnitt @ magnoliasociety.org (Englisch) Für die Detail-Zeichnung nach unten scrollen

15.04.2008 14:49 | geändert: 15.04.2008 14:49


Hallo Enkelin

Für mich wäre es kein Problem die Pflanze über Veredlung oder chippen zu vermehren. Ich denke wenn du keine Erfahrungen mit diesen Arten der Vermehrung hast wäre es das einfachste abzumoosen oder Stecklinge zu schneiden.
Tipps zum abmoosen hat ja Mario schon alle geschrieben. Wenn die Magnolie Äste bis zum Boden hat, würde es sich sogar sehr anbieten Absenker zu machen. (Viel einfacher und praktisch keine Arbeit)

Ich denke Absenker wäre für dich die einfachste und erfolgreichste Methode zu deiner eigenen Magnolie zu kommen!

Viel Glück

Christian

15.01.2009 13:35 | geändert: 15.01.2009 13:35


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