Für den Garten sind die in der Regel sehr teuren Pflanzen eigentlich nicht so empfehlenswert, da die Blütenröhren schnell lang werden, sodass sie leicht umkippen und dann eher unansehnlich sind. Etwas länger haltbare Alternative sind die sehr ähnlichen Herbstkrokusse, zu denen z.B. auch der Safran (Crocus sativus) gehört.
> Wissenwertes - Auffälligste Eigenschaften
1. Merkwürdiger Lebenszyklus:
Die Frucht reift im Sommer vor den Blüten, bei den Römern hieß sie deshalb Filius Ante Patrem.
2. Unkeusch:
Wie zum Beispiel auch bei Amaryllis belladonna (Echte Amaryllis) erscheinen die Blütensprosse ohne Laubblätter, weshalb sie der humorvolle Brite Naked Ladies nennt. :o)
Während der Blüte kann man die Herbstzeitlose leicht mit dem Herbstkrokus verwechseln:

Herbstkrokus
3 Staubblätter
2002-10-01

Herbstzeitlose
6 Staubblätter
2002-09-13
Herbstzeitlosen
- 6 Staubblätter,
- blühen ohne Blätter, die erst im Frühling erscheinen und bis zum Sommer verbleiben und sind
- sehr giftig
Herbstkrokus
- 3 Staubblätter,
- grasartige Blätter, die den Winter überdauern und sind
- nicht giftig
Ähnliche Gattung
Die sehr ähnliche Frühlingslichtblume (Bulbocodium vernum) blüht bereits im Vorfrühling, meist ab Februar/März.
Selten kommt in einigen Gebieten Mittel- und Südeuropas die ähnliche Alpenzeitlose (Colchicum alpinum) vor, die kleiner ist und eine kopfige Narbe hat (C. autumnale: Herablaufende Narbe).
> Verwechslung

Herbstzeitlose
(Colchicum autumnale)
2003-05-01
Vorsicht bei der Bärlauch Ernte vor der Blüte! Verwechslungsgefahr mit den sehr stark giftigen Maiglöckchen (Convallaria majalis) und Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale).
Bärlauch-Blätter riechen stark nach Knoblauch (Allium sativum), haben einen Stiel und zwischen ihnen sitzt keine Frucht.
Herbstzeitlosen-Blätter sind geruchlos, fast grundständig, auf kurzem Stiel und meist 3 umhüllen eine basale, knabenkrautähnliche Frucht-Kapsel.
Maiglöckchen-Blätter sind geruchlos und an der Basis mit violettrötlichen oder grünen Scheiden. Sie treiben meist deutlich später aus Herbstzeitlose und Bärlauch.
Beim Kochen, Lagern und Trocknen bleibt die Giftwirkung erhalten, was die Herbstzeitlosen in 1-3 schürigen Heuwiesen gefährlich macht, weil das Laub auch im Heu noch giftig ist:
Durch Fruchten vor dem ersten Schnitt (etwa Mitte Juni) und Blüte nach dem zweiten (etwa Ende August) können sie sich ungehindert ausbreiten.
Da das extrem giftige Alkaloid Colchicin ähnlich langsam wirkt wie Arsen, kann es auch in der Milch von Tieren ohne eigene Vergiftungserscheinungen auf den Menschen übertragen werden, insbesondere von weniger empfindlichen Tieren wie Ziegen.
Das Colchicin wird aus allen Teilen gewonnen, es wirkt entzündungs- und zellteilungshemmend: Bei der Mitose wird nach der Chromosomenteilung die Ausbildung der Kernspindel und damit die Zellteilung verhindert.
Heilpflanze, Arzneipflanze: Gicht, Rheuma, Nervenschmerzen, Leukämie, Tumore, Hautkarzinome, Behçet-Krankheit.
Pflanzenzucht: Herstellung polyploider Nutzpflanzen für Riesenwuchs bzw. kernlose Früchte (=Sterilität durch ungerade Chromosomen-Anzahl, bei der keine geordnete Meiose möglich ist), z.B. Banane (Musa).
> Gartengestaltung Besonders schön wirken Herbstzeitlosen in großen Gruppen und zwischen niedrigen Gräsern, z.B. mit Blauschwingel, Bärenfellschwingel (Festuca cinerea, syn. Festuca glauca). Durch solche etwas steiferen Gräser kippen die Blüten dann auch nicht so schnell um.
Colchicum autumnale wächst auf nährstoffreichen feuchten, kalkhaltigen Böden in voller Sonne; Wiesen, Böschungen; bis 1400 m; S-/M-/W-Europa verbreitet; stellenweise massenhaft; N-Europa selten bis fehlend.
Colchicum: Nach der Colchis, Landschaft an der Ostküste des Schwarzen Meeres; Heimat der Giftmischerinnen in der griechischen Mythologie.
autumnalis, lateinisch: herbstlich
Wurzeln mit zwiebelähnlichen Sprossknollen; einjährig: In der Achsel eines Niederblattes bildet sich jeden Herbst ein neue.
Blüten unten zu langer weißlicher Röhre verwachsen.
Da der Fruchtknoten frostfrei unter der Erde liegt, benötigen die Pollenschläuche zum Durchwachsen des sehr langen Griffels mehrere Monate, sodass sie bis zur Befruchtung im Winter vom Griffelgewebe ernährt werden müssen.
Am Grund der Staubblätter befinden sich die Nektarien, in einer behaarten Saftrinne wird der Nektar gespeichert, der Bienen, Hummeln u.a. zur Bestäubung anlockt
Samen werden durch Wind verbreitet; mit nährstoffreichen, klebrigen Anhängseln (Klebwarzen, Elaiosomen») auch durch Ameisen oder Anheften an Tiere.