- Jungtriebe blühen besser: Triebe verholzen mit der Zeit und verkahlen dann.
- Überalterte Triebe sind krankheitsanfälliger.
- Mangel an Licht und Luft begünstigt Krankheiten und behindert die Blüte.
- Die Wuchsform wird verbessert.
Faustregel: In aller Regel wird in der Praxis der Frühjahrsschnitt bis Mitte März und/oder der Sommerschnitt Ende Juli durchgeführt.
Im Frühjahr nur bei frostfreien Temperaturen, denn unterhalb von etwa -5 Grad C kann durch den Frost ein Schaden entstehen.
Aber: Außer bei Frost kann man auch jederzeit schneiden, jedenfalls sofern man auslichtet, d.h. nur Störendes direkt am Ansatz abschneidet. Achtung: Beim zeitsparenden Stutzen ↓ (Einkürzen von Trieben, z.B. mit der Heckenschere) ist zwischen Frühjahrsblühern und Spätblühern zu unterscheiden, damit man nicht versehentlich die späteren Blütentriebe wegschneidet, s.u.
1. Ausnahme: Nicht im Frühjahr, wenn der Saft steigt, ->Gefahr des "Ausblutens".
Häufig bei Walnuss und Weinrebe, siehe auch Ausbluten stoppen, Verbluten - Walnuss-Baum blutet verblutet.
Weinrebe spätestens Ende Februar/Anfang März, Walnuss nur im Sommer (Juli) bis Herbst (nach der Ernte) schneiden.
2. Ausnahme: Bei dichten Hecken/Klettergehölzen von März bis September allenfalls herausragenden Neutrieb kappen, um die Vögel nicht beim Brutgeschäft zu stören (Meist bis Ende Juli beendet, einige Arten, z.B. Grünfink, Hänfling, Gimpel benötigen jedoch bis August.).
3. Ausnahme: Ab Ende August nicht mehr schneiden, jedenfalls nicht stutzen (einkürzen), sonst kommt es zu Neutrieb, der nicht mehr rechtzeitig ausreifen und dann zurückfrieren kann. Besonders wichtig auch für Immergrüne Hecke, z.B. aus Buchs, Buchsbaum (Buxus sempervirens, "Bux"). Ab späterem Herbst, sobald die Ruhephase eingetreten ist, kann man dann wieder schneiden.
Bester Zeitpunkt, schnellster Wundverschluss:
- sehr zeitiges Frühjahr
- kurz vor Austriebsbeginn, nicht zu spät, s.o.!
- bei trockener, warmer Witterung
Achtung: Gibt es im sehr zeitigen Frühling / ausgehenden Winter *rechtzeitig* (= deutlich / ausreichend lange vor dem Austriebsbeginn) keine warme, trockene Witterung, schneidet man am besten bei solchem Wetter im Sommer (Juli) bis Herbst. Ebenso im Zweifelsfall.
Geschnitten wird ab dem 3.-5. Standjahr, und zwar am besten regelmäßig, da nicht alle Gehölze Rückschnitt in das alte Holz vertragen.
Bei Befallsgefahr durch Pilze, Bakterien, Insekten: Während der Wachstumsperiode, am besten Sommer.
Bei Laubabwerfenden: In unbelaubtem Zustand ( wegen der besseren Übersicht am schnellsten und einfachsten).
Stärkere Rückschnitte und Radikalschnitt zum Verjüngen (Auf den Stock setzen): Kurz vor Austriebsbeginn, dann ist die Zeit, in der die Pflanzen unnatürlich aussehen, besonders kurz.
Kompaktere Wuchsform
bei Stutz-Schnitt
2000-04-24
Wuchsform
bei Auslichtungsschnitt
weniger dicht
Das Einkürzen des Neutriebs mit der Heckenschere geht am schnellsten und bewirkt bei den meisten Ziersträuchern die beste kompakte Wuchsform / Sichtschutz.
Normalfall Frühlingsblüher: Bester Zeitpunkt hierfür ist im Allgemeinen direkt nach der Blüte, damit rechtzeitig die neuen Blütenanlagen für das kommende Jahr ausgebildet werden können. Zum Vogelschutz bei dichten Hecken und Kletterpflanzen siehe jedoch oben Wann schneiden, Ausnahme 2↑!
Ausnahme: Spätblüher (ab Sommer, Juni - Sommerblüher, Herbstblüher) erst im darauffolgenden Frühjahr, da später Neutrieb nicht ausreifen und es somit zu Frostschäden kommen kann.
Achtung Grenzfälle! Die Hortensie (Bauernhortensie), Kletterhortensie, Kiwipflanze, Kiwi (Actinidia deliciosa), der duftende Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius) bzw. Falscher Jasmin, Gartenjasmin (Philadelphus x virginalis), die malerische Buddleja alternifolia (*Schmalblättriger* Sommerflieder) und die meisten Wildrosen (Heckenrosen) (z.B. Hundsrose, Rosa canina) und *einmalblühende* Ramblerrosen (das sind die Kletterrosen mit weichen, überhängenden Trieben, z.B. 'Bobbie James' und 'Veilchenblau') sind zwar eigentlich auch Sommerblüher und damit Spätblüher, blühen als Grenzfall im *zeitigen* Frühsommer (Ende Mai, Anfang Juni) jedoch nicht am Neutrieb, sondern wie die Frühblüher am Vorjahresholz (zweijährigen Holz) und dürfen daher im Frühling nur ausgelichtet werden.
Achtung: *Öfterblühende* Ramblerrosen (z.B. 'Super Excelsa') und öfterblühende Wildrosen (z.B. Rosa rugosa, Kartoffelrose) blühen normal spät, somit am neuen, diesjährigen Holz (einjährigen Holz) und werden daher auch wie normale Spätblüher im Frühling stark geschnitten.
Spezialfälle: Blauregen (Glyzine) und Echter Wein blühen bzw. fruchten besonders üppig an neuen einjährigen Trieben, die sich an zweijährigen Kurztrieben entwickeln. Beim Blauregen erfolgt der Rückschnitt daher im August, beim Wein wegen der Ernte jedoch erst im zeitigen Frühling, ausführlichere Informationen dazu siehe Blauregen schneiden und Weinreben schneiden (Rebschnitt, Echter Wein).
Auslichten - Mäßiger, aber regelmäßiger Auslichtungsschnitt:
- Gehölze, bei denen Wuchsform mit dicken knorrigen Ästen erwünscht ist, z.B. die meisten Bäume
- Sträucher, bei denen die neuen Blütentriebe aus Knospen direkt unter den Blüten erscheinen, z.B. Rhododendren, Flieder, Hortensien
- Beerensträucher
Diese werden nur so mäßig ausgelichtet, dass man nicht sieht, dass geschnitten wurde, und zwar direkt am Ansatz, "keine Kleiderhaken stehen lassen (Stummel)".
Obstbaumschnitt: Obstbäume lichtet man im Garten normalerweise einfach nur etwas stärker aus, sodass besonders viel Licht und Luft an Blätter, Blüten und Früchte kommt. Der Gärtner soll nach dem Zurückschneiden "seinen Hut durch die Äste werfen können". Siehe auch unsere Spezialseite zum Thema Apfelbaumschnitt + Obstbaumschnitt Anleitung schnell+einfach zur Anwendung im Garten. Genaue Anleitungen zum professionellen Obstbaumschnitt, siehe unten: Obstschnitt, Öschbergschnitt

Astringe nach Verletzung/Schnitt

Gehölze richtig schneiden: Direkt am Ansatz - keine "Kleiderhaken" stehenlassen.
Triebe entfernen: Direkt am Ansatz schneiden, ohne den Astring zu verletzen.
Triebe einkürzen: Knapp über Knospen schneiden. Diese sollten nach außen zeigen (= Wuchsrichtung des neuen Triebes).
Insbesondere im Astring befindet sich direkt unter der Rinde eine Gewebeschicht aus teilungsfähigen Zellen (Kambium); diese bildet bei Verletzungen Wundgewebe (Kallus), das sich über die Wunde schiebt und sie überwallt/verschließt.
Man entfernt folgende Triebe:
- tote
- beschädigte
- dürre
- sich überkreuzende
- zu dicht stehende
- nach innen wachsende
- die Wuchsform beeinträchtigende (Gehölz aus Entfernung betrachten)
----- Bei Bäumen ggf. zusätzlich ----------------------------
- Konkurrenztriebe zu Mittelast (Stammverlängerung) und Leitästen (Gerüst)
- Wasserschosse
(Besenartiger Austrieb)
Hinweis: Bei Stachelbeere und Johannisbeere nur 6-10 gut verteilte Triebe stehen lassen, bei Hochstämmchen eher weniger.
Letztere bringen übrigens auch bei sachgerechtem Schnitt eine erheblich geringere Ernte als Sträucher.
Regelmäßiger radikaler Rückschnitt im zeitigen Frühjahr:
Spätblüher wie die meisten Rosen blühen am neuen Trieb (diesjähriges Holz, einjähriges Holz), das durch Zurückschneiden deutlich stärker treibt, sodass bei diesen ein radikaler Rückschnitt im Frühling vorgenommen wird. Mehr dazu auf unserer Spezialseite Rosen schneiden und spätblühende Gehölze.

Verjüngte Hecke
Neutrieb nach
Radikalschnitt bis kurz
über dem Boden
("Auf den Stock setzen").
2008-02-14

Kappen = Auf den
Stock setzen:
z.B. Rhododendron
ins alte Holz
zurückschneiden.
2003-05-24
Notfall - Baum/Strauch zu groß geworden oder vergreist (verkahlt) - Bei Platzmangel oder Verjüngen lange vernachlässigter Gehölze.
Kappen = auf den Stock setzen heißt Sträucher knapp über dem Boden zurückschneiden, handhoch (15-20cm) bis kniehoch (50cm-1m).
Je dicker die Äste/Stämme, desto weniger tief.
Kaum zu glauben, aber wahr: Rhododendron, Flieder, Buchs und sehr viele andere Laubgehölze einschließlich Bäume vertragen in der Regel zur Verjüngung auch
einen extrem starken Rückschnitt.
Achtung: Mangelhafte Vitalität und/oder extreme Kulturbedingungen können beim radikalen Zurückschneiden jedoch im Ausnahmefall grundsätzlich auch zum Absterben der Pflanzen führen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, den Schnitt zunächst weniger tief anzusetzen und ihn auf mehrere Jahre zu verteilen.

Extrem-Beispiele
für radikalen Schnitt:
Alter Lindenbaum
mitten im Stamm
in 2m Höhe abgesägt.
Dominsel, Brandenburg/
Havel | 2002-11-01
Aber selbst wenn ein Baum oder Strauch schnittverträglich ist und durch Radikalschnitt auch in hohem Alter nicht eingeht wie die hier gezeigten Extrembeispiele, sollte man solche rabiaten Schnitte normalerweise nur ausnahmsweise durchführen, weil er dadurch zumindest längere Zeit verunstaltet wird.
Wesentlich besser ist regelmäßige und rechtzeitige Verjüngung durch Auslichten ↑.
Siehe auch Zerstörung und Wertverlust durch Kappung, Links ↓
Starker Rückschnitt älterer Bäume: In der Regel empfiehlt es sich, jeden starken Rückschnitt eines älteren Baumes von einer spezialisierten Fachfirma ("Baumchirurgen") durchführen zu lassen, insbesondere auch weil die Verunstaltung etwa durch die Wasserschosse nach unsachgemäßem Zurückschneiden zusätzlich mitunter eine Ordnungswidrigkeit darstellen und man sich schadenersatzpflichtig machen kann. Nicht nur das Fällen, sondern auch ein Rückschnitt älterer Bäume ist zudem oft behördlich genehmigungspflichtig.
Entwipfeln = Kopfbaumschnitt heißt Bäume bis zum Stamm oder
auf die Leitäste (=Hauptäste, Astgerüst) zurückschneiden.
Einige Bäume schneidet man jedoch auf diese Art auch
öfter, um z.B. durch dann häufig erscheinende extrem große Blätter ein
tropisches Erscheinungsbild zu erhalten (z.B. Trompetenbaum),
um starken Schattenwurf zu vermeiden, etwa in kleinen Dorfstraßen (z.B.
Linde) oder als
Gartenstil/Gartenkunst (z.B. Platane,
gekappte Platanen in Alleen sieht man häufig vor allem im Mittelmeerraum).
Ob das schön ist oder nicht, dürfte wohl Geschmacksache sein, und nicht
alle Bäume bzw. Gehölze vertragen einen Schnitt in altes Holz. Etliche
sind zwar schnittverträglich, aber nur in sehr langen Zeitabständen, (z.B.
Eiche, Stieleiche, Deutsche Eiche) und
außerdem durch gesetzlichen Baumschutz (Baumschutzverordnung bzw.
Baumschutzsatzung der Bundesländer) vor Verunstaltung geschützt, insbesondere da
sie z.B. eine sehr wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten und überaus
wertvoll für das Ökosystem sind. Mitunter braucht man bereits zum fachgerechten
Rückschnitt eine Erlaubnis der Behörde, sodass man sich rechtzeitig erkundigen
sollte, um empfindliche Strafen zu vermeiden.
Hinweis: "Echte" Kugelbäume wie Kugelahorn oder Kugelakazie (Kugelrobinie), Kugeltrompetenbaum (Zwergkatalpa) braucht man *nicht* so zu schneiden. Der Witz an ihnen ist ja gerade, dass sie auch ohne Schnitt
als Kugelbaum wachsen, sodass man sie ganz normal wie andere Bäume nur auslichten sollte.
Ausführliche Informationen zum Verjüngen sowie radikalen Rückschnitt alter Bäume (zu groß geworden) und Entwipfeln, Kappen - Kopfbaumschnitt zum Kugelbaum siehe im Abschnitt
Erfahrungsberichte zum Schnitt↓
Wichtig: Nadelgehölze (Koniferen) treiben nach Rückschnitt ins alte Holz nicht mehr aus, da sie keinen "schlafenden Augen"(=Adventivknospen) haben! Ausnahme: Eibe (Taxus).
...jedenfalls theoretisch:
Mein Vater stutzte vor etwa 3 Jahren entgegen aller Vernunft und meinen Ratschlägen ;o) seine verkahlte Thuja-Hecke zurück. Inzwischen ist sie wieder fröhlich durchgetrieben und ein üppiger Sichtschutz. Dasselbe wurde mitunter auch schon in de.rec.garten berichtet, ich habe es erst geglaubt, als ich es mit eigenen Augen sah.
Baumwachs oder Baumpflaster sind normalerweise überflüssig, auch bei größeren Wunden.
Wundverschlussmittel machen grundsätzlich *allenfalls* am Wundrand einen Sinn, um ein *Austrocknen* des Kambiums zu verhindern (Kambium = Gewebeschicht aus teilungsfähigen Zellen; für Dicken- und Längenwachstum von Stamm und Wurzel; bei Verletzungen für Wundgewebe (Kallus), das diese überwallt.).
Durch das Austrocknen nach einer großflächigen Verletzung besteht zwar die Gefahr, dass das Kambium abstirbt und außerdem Risse im Holz entstehen, die eine beliebte Eintrittspforte für Holz zersetzende Pilze darstellen.
Der Einsatz von Wundverschlussmitteln wie Baumwachs ist aber umstritten, da durch die Versiegelung der Wunde andererseits auch ideale Bedingungen für die sofort bei der Verletzung eindringenden Pilze geschaffen werden können. Siehe dazu jedoch auch Untersuchungen zur Wirksamkeit.
Spezial-Handschuhe
für bedornte/stachelige
Gehölze
erhältlich z.B. bei
real, ca. EUR 4,50

Astscheren
mit gleitendem Amboss
für geringsten Kraftaufwand beim Schneiden
Säge: Gerade, sehr scharfe Zähne (nicht versetzt = raue Schnittfläche!)
Besonders gute Hinweise zum besten Werkzeug und zur besten Schnittmethode mit großen farbigen Detailaufnahmen im Buch Pflanzen scheiden und formen
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