Auf die bedauernde Frage normaler Mitmenschen, die mich beim sommerlichen Kampf mit unseren Blauregen beobachten, ob das denn nicht zu viel Arbeit mache, bleibt nur die Antwort:
Man muss es wollen.
Auch Schönreden hilft: Alternative Bewegung im Fitnessstudio und beim Joggen ist zumindest für mich noch trostloser. Jedenfalls gehört Blauregen zu den Pflanzen, nach deren näherer Bekanntschaft man plötzlich
zumindest verstehen kann, dass es Berufsgärtner geben soll, die in ihrer Privatwohnung keine einzige Pflanze dulden, und andere, die seine prächtigen Stämme irgendwann doch erschöpft direkt am Erdboden absägen. Allerdings vergeblich, denn alsbald treibt er normalerweise fröhlich aus den Wurzeln wieder aus. Siehe Wurzeltriebe: Foto ↓
Wenn irgendeine Pflanze
den Gärtner zur Geduld erzieht,
so ist es die Glyzine.
Richard Katz
Man kann jedoch auch Glück haben: Manchmal gibt es auch Exemplare vom Blauregen, die bereits im 2. oder 3. Jahr nach der Pflanzung überreich blühen, im August nochmals unzählige Blüten treiben und im Sommer nur 1-2 Mal zurückgeschnitten werden müssen. Leider kann man das vor dem Kauf nicht erkennen. Wir haben beispielsweise auch zwei gleichzeitig gepflanzte Wisteria sinensis vom selben Händler, von denen eine wunschgemäß blüht und gesittet wächst mit nur einem erforderlichen Rückschnitt pro Jahr, während die andere nicht blüht oder nur wenig und fast unerträglich wuchert. Sie werden gleich behandelt und stehen im Abstand von nur 4 m.
> Alternativen
Als pflegeleichtere und zartere Alternativen kann man sich in milder Lage die Rosenakazie, Borstige Robinie (Robinia hispida), den Indigostrauch (Indigofera heterantha) oder auch den ähnlichen Buschklee (Lespedeza thunbergii) als Kletterpflanze ziehen. Diese blühen monatelang(!) vom Sommer bis zum Herbst rosa in aufrechten Blütentrauben aus ebenso schönen Schmetterlingsblüten und mit nicht minder elegantem, malerischen Wuchs. Eine robuste Alternative ist ferner Goldregen (Laburnum).

Blauregen blüht
an Kurztrieben!
Zweite Blüte im August
2002-08-11
- Blüten erscheinen häufig erst frühestens nach 5-7 Jahren.

=> Veredelte Exemplare blühen meist früher, manchmal sogar schon im Jahr nach
der Pflanzung.
Beim Kauf auf die Veredelungsstelle achten, die unten zumindest
anfangs gut erkennbar ist.
- Blütenknospen erscheinen besonders an Kurztrieben
=> Beim Schneiden auf den richtigen Zeitpunkte achten: Rückschnitt der neuen Seitentriebe im August auf ca. 3 Augen (Knospen), etwa 10 cm.
- Ggf. im Frühjahr ausreichend wässern, denn bei Trockenheit können die Blütenknospen abgestoßen werden.
- Ausreichend düngen! Siehe auch: Richtig düngen.

Blauregen schneiden:
Diesjährigen Neutrieb
im August
zurückschneiden
für blütenreiche Kurztriebe!
Foto: 2007-09-06
Blauregen schneidet man im Prinzip einfach wie Weinreben (Vitis vinifera, Echter Wein): Alle Seitentriebe, die nicht als Hauptgerüst dienen, stark einkürzen auf ca. 3 Augen (etwa 10 cm), insbesondere im Spätsommer (August), damit sich Kurztriebe bilden, die besonders reich blühen. Im Sommer nach Bedarf zurückschneiden, bis August jedoch nur vorsichtig den herausragenden Neutrieb, da oft Vögel in den Zweigen nisten und sonst beim Brutgeschäft gestört werden.
Ähnlich schneidet man auch die Kiwipflanze, Kiwi (Actinidia deliciosa).
Zu diesem Thema antworten: Blauregen schneiden - Richtiger Schnitt der Glyzine

Schnelles und starkes
Dickenwachstum
2000-01-24
Wichtig: Triebe außen entlang der Spaliere leiten, nicht durch diese hindurch, Befestigungsdrähte kontrollieren und ggf. lockern - Schon nach 1 Jahr: Trieb stark eingeschnürt vom Haken, durch den er zunächst geleitet worden war:
Blauregen erreicht schnell luftige Höhen bis 10 m und mehr. Zur Vermeidung von Bauwerkschäden (Gewicht, Wind) sollten geeignete, stabile Kletterhilfen (Rankhilfen, Rankgitter) eingesetzt werden:


Einfache Rankhilfen - Selbstgebaute aus Latten
und Drähten wie diese sind nach unseren
Erfahrungen bei der Glyzine heikel. Besser
stabilere Rankgitter aus dickem Metall verwenden!
Weiches Material wird leicht zerquetscht.


Blauregen eignet sich
auch für hohe Fassadenbegrünung
Fotos: 2000-05-07
> Blauregen stoppen
Während es zum Efeu stoppen (Hedera helix) eine einigermaßen brauchbare Methode gibt, ist das beim Blauregen leider nicht der Fall. Der manchmal genannte Ratschlag, neue Seitentriebe abzureißen statt abzuschneiden, weil dadurch an der Risstelle die schlafenden Augen zerstört würden, führte bei mir im Gegenteil zum Austrieb von unzähligen Trieben an der Wunde.
Wenn man den Trieb am Ansatz sauber abschneidet oder einen Stummel stehen lässt, wächst dagegen an der Stelle normalerweise anschließend wieder nur ein neuer Trieb heraus.

Durch einzige Frostnacht
erfrorene Blütenknospen
2002-05-09

Neue Blütenknospen
Vorfreude
2002-03-27
Volle Sonne, humusreicher, kalkfreier, saurer, feuchter aber wasserdurchlässiger Boden.
Nur für geschützte Lage, die Blütenknospen überstehen allenfalls sehr leichten Frost und erfrieren gerne in einer einzigen Frostnacht. Über Blauregen an exponierten Standorten oder in zu rauen Lagen ärgert man sich alljährlich wie bei der noch etwas früher blühenden
Tulpenmagnolie, Magnolie (Magnolia x soulangeana, syn. Magnolia soulangiana.
Andererseits aber möglichst nicht unter durchsichtigen Terrassenüberdachungen oder besonders warmen Hauswänden entlangleiten, da durch *zu* geschützten Platz, die Blätter vorzeitig austreiben und dann häufig schon gleichzeitig mit den Blüten erscheinen. Spektakulär ist die volle Blüte jedoch nur vor dem Laubaustrieb. Zu diesem Zweck Wisteria sinensis (Chinesischer Blauregen) und Gartenformen davon verwenden, Japanischer Blauregen (Wisteria floribunda) und Sorten haben zwar längere Blütentrauben, blühen aber erst etwas später und daher gleichzeitig oder nach dem Laubaustrieb.
Nicht austrocknen lassen, insbesondere nicht im Frühling vor der Blüte, bei Trockenheit können die Blütenknospen abfallen. Jedoch ohne Staunässe, d.h. erst gießen bzw. wässern, wenn die obere Erdschicht wieder trocken ist. Den Boden humusreich halten, am besten immer mulchen (außer bei Wühlmaus↓-Gefahr) oder ggf. ausreichend düngen (kalkfrei), zumindest wenn der Blauregen nicht richtig blüht.

Wurzeltriebe - Blauregen
wird mitunter lästig.
2000-07-12
Vermehren durch Absenker, Abteilung Wurzeltriebe oder professionell durch Veredelung (Geißfußveredelung, Wurzelpfropfung) auf Wisteria sinensis (Chinesischer Blauregen), damit sie früher blühen und robuster sind. Aussaat erfordert viel Geduld bis zur Blüte und eignet sich allenfalls für Wildarten. Erfahrungsberichte: Blauregen aussäen ↓
Schneidet man sie nicht immer wieder zurück,
bringt sie ihre ganze Umgebung
um Licht und Nahrung.
Es gibt solche Pflanzen und es gibt solche Menschen...
Richard Katz
Im Kübel am besten frostfrei im Kalthaus überwintern, auch dunkel, da laubabwerfend, z.B. in ungeheizter Garage. Während der Ruheperiode nicht düngen, wenig wässern, nur nicht völlig austrocknen lassen. Im zeitigen Frühling ab Februar wieder hell und warm stellen, ab Austriebsbeginn düngen. Zum Winterschutz für frostharte Kübelpflanzen siehe auch Frostharte Kübelpflanzen überwintern.

Besonders schöne
Kombination: Im
Hermannshof, Weinheim
Glyzine mit
Hasenglöckchen, Bluebells
(Hyacinthoides non-scripta)
Foto: Ulrich Danz
2001-05-03
> Begleitpflanzen zur Steigerung der Wirkung
Als attraktive Benachbarung eignet sich vor allem eine Unterpflanzung mit gleichzeitig blühenden kleinblütigen Massenblühern, z.B. Atlantisches Hasenglöckchen, Bluebells (Hyacinthoides non-scripta):
Durch ihre Starkwüchsigkeit eignen sich Glyzinen auch für Lauben. Glyzinenlauben bzw. Blauregenlauben sehen zwar wunderschön aus, zum Sitzen darin oder gar Kaffeetrinken eignen sie sich allerdings weniger, weil einem daraus gerne Blüten oder Krümel in die Tasse streuseln, ebenso wie die Hinterlassenschaften der Vögel, die in dem üppigen Schlinger auch sehr gerne sitzen und nisten. Praktischer ist ein Glyzinenlaubengang, Blauregenlaubengang, bei dem man zwischen den Pflanzen sitzt.

Als kleiner Baum, Isola
Brissago, Lago Maggiore
1999-04-15
> Hochstämmchen
Die Glyzine kennt man meist als Kletterpflanze, man kann sie jedoch auch als Bäumchen ziehen, im Kübel oder ausgepflanzt.
Siehe auch: Blauregen als Hochstamm ziehen - Anleitung
> Blauregen als Kübelpflanze
Im Kübel wachsen Gehölze deutlich schwächer und langsamer als ausgepflanzt im Garten, daher kann man auch den Blauregen als Kübelpflanze und mit noch mehr Geduld und Pflege sogar als Bonsai kultivieren (Fotos und Infos als Bonsai ↓), obwohl er so starkwüchsig ist.
Die Topfkultur ist zwar wesentlich aufwändiger, hat aber auch interessante Vorteile:
- Im Topf kann man die Glyzine frostfrei im Kalthaus überwintern (auch dunkel, da laubabwerfend, z.B. in ungeheizter Garage), sodass sie am geschützten Platz, etwa einer überdachten Terrasse, besonders früh blüht.
- Gleichzeitig halten sich die Blüten viel länger, meist über viele Wochen, da man die Töpfe während der Blüte im Schatten aufstellen kann.
- Anschließend kann man sie am Sitzplatz durch später blühende andere Arten austauschen und somit die Blütezeit weiter verlängern.
Zur Kultur im Kübel siehe auch Hinweise für die richtige Überwinterung↑.
Mehr Ideen zur Gestaltung im Garten siehe Fotos ↓

Japanischer Blauregen
Wisteria floribunda
blüht meist ab Mitte Mai
mit längeren, lockeren
Blütentrauben. Hier:
W. floribunda 'Macrobotrys'
sogar etwa 1 Meter lang!
2001-05-17
Ähnliche Arten, Kennzeichen zur Identifizierung
Von den etwa 10 weltweit bekannten Arten, die im östlichen Nordamerika und in Ostasien verbreitet sind, haben gärtnerisch hierzulande vor allem 2 eine Bedeutung:
- Chinesischer Blauregen (Wisteria sinensis, syn. Wisteria chinensis), häufigste Art, blüht früh, meist ab Anfang Mai mit Nachblüte im August: Dichte, kürzere Blütentrauben bis 30 cm, kürzere Fiederblätter mit bis zu 13 Fiederblättchen. Linkswindend.
- Japanischer Blauregen (Wisteria floribunda), blüht etwas später im Frühsommer (Mitte/Ende Mai, Anfang Juni) Blütentrauben lockerer und länger, meist mehr als 30 cm, Fiederblätter länger mit bis 19 Fiederblättchen. Rechtswindend. Die Länge der Trauben ist noch auf etwa 1 m(!) gesteigert in der beliebten Zuchtsorte Wisteria floribunda 'Macrobotrys' (Edelblauregen, Prachtblauregen, Großer Blauregen), den es mit 40-60 cm langen Blütentrauben auch in
Weiß gibt: Wisteria floribunda 'Longissima Alba', (syn. Wisteria floribunda 'Alba', Weißer Edelblauregen, Weiße Glyzine).


Wisteria x formosa blüht violettblau mit weißen
und gelben Flecken, die Blüten-Trauben werden
nur etwa 25 cm lang. | 2002-05-22
Von beiden sind ihre Hybride Wisteria x formosa (Wisteria floribunda x Wisteria sinensis), mit den Merkmalen beider Elterarten, bis zu 15 Fiederblättchen, violettblaue Blüten mit deutlicheren weißen und gelben Flecken an kürzeren und bis zu 25 cm langen Trauben, im Handel, sowie einige weitere Zuchtsorten mit anderen Blütenfarben wie Weiß oder Rosa, weshalb sich wahrscheinlich neben dem dann unpassenden deutschen Namen "Blauregen" der weitere Name "Glyzine" hält.

Wisteria sinensis
blüht fliederblau
2002-05-09
Nur gelegentlich wird bei uns auch Wisteria brachybotrys (Japan: Honshu, Shikoku, Kyushu), mit kürzeren, nur etwa 15 cm langen Blütentrauben im Frühsommer (Juni), aber dafür mit häufigeren Nachblüten bis Herbst und weich behaarten Blättern, und noch seltener Amerikanischer Blauregen (Wisteria frutescens, syn. Wisteria macrostachya) kultiviert, bei dem die Früchte kahl statt samtig behaart sind und der ebenfalls erst im Sommer (Juni/Juli) blüht.
Sommerblüher blühen erst nach dem Laubaustrieb, die Blüte ist dann nicht ganz so auffällig wie an kahlen Zweigen. In sehr geschützter Lage, z.B. besonders warmer, weißer Hauswand, treibt jedoch auch bei Wisteria sinensis das Laub gleichzeitig mit den Blüten aus.
Wisteria, syn. Wistaria: Nach Caspar Wistar, 1761-1818, amerikanischer Anatom.
Glyzine nach der früheren Zuordnung zur Gattung Glycine, die heute etwa 60 Arten umfasst, darunter die Sojabohne (Glycine max).
Glyzinien, Glycinien sowie allen möglichen weiteren Wortschöpfungen und Schreibvarianten wuchern daraus anscheinend mit ähnlicher Kraft wie die Pflanzen selbst.
Vorkommen - Biotop, Verbreitung: Asien und Nordamerika, in feuchten Wäldern und an Flussufern.
Naturschutz: Chinesischer Blauregen (Wisteria sinensis) kommt aus Gärten verwildert gelegentlich auch in Europa (Frankreich, Schweiz) und in der gesamten Osthälfte der USA vor. Dort auch, etwas seltener, Japanischer Blauregen (Wisteria floribunda). Beide asiatischen Arten stehen in den USA sogar auf der Schwarzen Liste für invasive Exoten, da sie Bäume zum Absterben bringen können, die Lichtverhältnisse im Wald verschlechtern und damit die einheimische Flora und Fauna bedrohen. Allerdings kommt in diesem Gebiet auch natürlich die sehr ähnliche Wisteria frutescens (Amerikanischer Blauregen) vor, die erst im Sommer blüht.
Hauptblüte je nach Witterung meist Anfang bis Mitte Mai.

Glyzinenpergola von 1920
Wisteria sinensis
2001-05-17
Deutschland: Weinheim an der Bergstraße, Hermannshof.
Ca. 15 Minuten von
Mannheim, 1 Stunde von Karlsruhe.


Fast ebenso sehenswert wie die Blüten:
Die geflochtenen Stämme von Wisteria
floribunda 'Macrobotrys' 2002-04-20 | 2001-04-02
Mehr auf unserer Spezialseite: Blauregenpergola, Glyzinenlaubengang im Hermannshof, Weinheim >.
Italien, Comer See, Varenna, Villa Cipressi - An einer Steilwand zum See

Der berühmte Seerosen
teich
mit Glyzinen umrankter
Japanischer Brücke
2002-08-16
Frankreich, Giverny, Claude Monets Garten.
Ca. 1 Stunde von Paris.
Mehr auf unserer Spezialseite: Claude Monets Garten, Giverny >.